Eine Stunde nach dem Mittagsmahl aus Hartwurst und Zwieback holte man sie aus ihrer Zelle. Louise Wintermane wurde vom schneeweißen Hünen von Hund zur Kajüte des Kapitäns geführt. Die Löwin wich den Blicken der Mannschaft nicht aus, als man auf sie starrte, als sie das Oberdeck betrat. Offenbar waren sie es nicht gewohnt, dass eine Frau einen starken Willen und soviel Stolz besaß, sich nicht wie Freiwild betrachten zu lassen. Die Crew hatte nur zu gut ein anderes Bild von ihr in Erinnerung, das jener Furie, die einen Artgenossen, größer und stärker als sie, in ein winselndes Junges verwandelte, mit Krallen, die sich tief in jedes Fleisch graben konnten und es auch taten. Man betrachtete sie eher mit Argwohn statt mit Bewunderung, doch das war ihr gleich.
An der Tür zur Kapitänskajüte begrüßte sie der alte Vinnetpain, der auf einem Fass saß und mit dem Fuß den Zutritt versperrte. Ihr machte er den Weg frei und nickte mit der Hand an der Hutkrempe. Auf ihre Frage, was der Kapitän wollte, bekam sie nur ein Schulterzucken. Vom weißen Hund hatte sie sogar nur ein Grunzen bekommen.
Immer noch war es ein dunkler, verwinkelter Ort, durch den sich Licht einen Weg brach, nur um lange Schatten zu werfen. Zu ihrer Überraschung war du Sang nicht anwesend, dafür aber saßen am Kartentisch die wichtigsten Männer seines Stabs.
Zur Rechten des Kapitänsstuhls sah sie Jacques Crochet, den Pharaohund mit der Hakenhand und erstem Maat. Ein harter Knochen, der ihr jedoch mit gebürtigem Respekt und Höflichkeit begegnete. Ihm gegenüber zur Linken der alte Dunois auf einem Hocker, das Holzbein tief unter den Tisch gestreckt. Sie wusste, dass der Schäferhund auf der Venom als Koch diente, daher ging sie davon aus, dass er von der Mannschaft in den Rat gewählt wurde.
Neben Crochet saß der Weimaraner Wilhelm, der sich gerade seine Meerschaumpfeife mit Tabak stopfte. Die weinrote Mütze hatte er auf dem Kartentisch gelegt. Louise wusste nur wenig über ihn außer seinen Namen, den Mallory einmal hatte fallen lassen. Vermutlich war er der Steuermann oder ein weiterer Maat.
An Dunois' Seite fand sich der Hase Guillaume, der Bordarzt. Dieser hatte sich ihre Kratzer angesehen, welche sie von Enrique verpasst bekam. Der Docteur war auffallend höflich und freundlich ihr gegenüber. Überhaupt überraschte sie der Stab du Sangs, der weitestgehend aus vernünftigen Männern bestand. Selbst Logan Silver hielt sich mit Finnegan Keeley oder Giles rabiate Gesellen im engsten Kreis.
Aus der Reihe fiel Nathaniel Ferrum, das Frettchen. Dieser wich ihren Blicken aus und versuchte sich selbst abzulenken, die Finger berührten sich nervös an den Spitzen. Louise machte keinen Hehl daraus, dass sie den Pulvermeister nicht ausstehen konnte. Einst hatte sie ihm die Flucht aus der Todeszelle von Port Drake geholfen, damit er sie nach Tortuga bringen sollte. Zum Dank ließ er sie in einem spanischen Hafen sitzen und rannte bei erster Gelegenheit zu seiner Mannschaft zurück.
Die Sitzaufteilung wollte es so, dass Louise den letzten freien Platz neben Guillaume und gegenüber Ferrum bekam. Auf dem Tisch fanden sich Holzbecher und Rumflaschen, sowie eine vergilbte Karte der Antillen.
„Madame“, grüßten sie Crochet und Dunois, Wilhelm nickte kurz und zündete sich die Pfeife an. „So nehmt doch Platz“, bat sie der Hase, und sie ging ihr nach.
„Gentlemen“, erwiderte sie gezwungen freundlich, und eindeutig nicht erfreut nahm sie das Frettchen aus. „Ferrum ...“
„Wenn Ihr Schwierigkeiten habt, unserer Unterhaltung auf Französisch zu folgen“, erklärte der Docteur in ihrer Muttersprache, „so werde ich Euch gerne beim Übersetzen behilflich sein.“
„Ich spreche ausreichend Französisch, dank“, antwortete sie wiederum in seiner Sprache. „meine Ziehmutter kam aus Calais.“ Beherzt griff sie zur Rumflasche und schenkte sich einen Becher ein. „Und in welcher Sprache erfahre ich, was ich hier soll?“
„Der Kapitän hat uns das nicht gesagt“, sagte Crochet, „er müsste jeden Moment hier eintreffen.“
Du Sang war vor der Tür zu hören. Offenbar unterstrich er mit Nachdruck, dass er Tyler Bane nicht bei dieser Besprechung dabeihaben wollte. „Maitre Vinnetpain, erklärt Master Ratte, dass seine Anwesenheit nicht vonnöten ist. Ein Kapitän hat dafür keine Zeit.“
„Du hast den Kapitän gehört“, sagte Vinnetpain, als er die Tür freigab. „Ich erkläre es dir gerne auch mit dem spitzen Ende einer Waffe.“
Louise konnte Banes Gesicht sehen, für einen Wimpernschlag. Die funkelnden Augen tief in seiner weißen Fellmaske, und die Verachtung, die er für sie nur übrig hatte. Naserümpfend entfernte er sich, Unwillens, eine mit Stahl vorgetragene Lektion zu erhalten. Hinter du Sang warf Vinnetpain die Tür zu.
Jaquard war immer noch gezeichnet von der tiefen Wunde, die Battiston ihm zugefügt hatte. Die Brust trug er immer noch frei, umwickelt von nach Salbe riechenden Verbänden, und darüber sein Kapitänsmantel. „Bleibt sitzen“, winkte er Wilhelm und Crochet ab, die sich aus Respekt erheben wollten. Er selbst nahm langsam und mit gerade gehaltenem Rücken auf seinem Stuhl Platz.
„Messieurs, Madame“, fing er an, als Dunois ihm einen Becher Rum einschenkte. „Ich habe die letzten Tage über unser weiteres Vorgehen nachgedacht. Und bin zu einer Entscheidung gekommen. Betrachtet es als Sinneswandel oder Vorsicht, aber wir werden nicht nach Nassau segeln, wie es geplant war.“
Am meisten zeigte sich Ferrum überrascht, wohingegen Wilhelm leicht nickte und dem zustimmte. „Nassau ist weit weg von Port Drake“, sagte das Frettchen nervös. „Und ziemlich sicher, der Johnny würde nicht so schnell da hinausfahren können.“
„Aye“, sagte der Fuchs, „aber Singh hat uns diese Route empfohlen, ebenso Deadlock. Und ich kann beiden nicht vertrauen, schon gar nicht dem gehörnten Teufel.“ Er tippte mit dem Finger auf den Tisch und drückte die Kralle tief ins Holz. „Wisst ihr, wenn man so darüber nachdenkt, was alles in Port Drake nicht nach Plan lief, kommt man doch auf den Gedanken, dass Singh die letzte große Überraschung für uns in Nassau parat hat.“
„Du meinst nicht nach unserem Plan“, fügte Crochet hinzu, „da war einiges dabei, was Deadlock zum Vorteil gereichte.“
Louise fühlte sich da außen vor stehend. „Wie meint Ihr das?“
Der Fuchs fuhr fort: „In Port Drake waren wir für manche Untat verantwortlich, allem voran ich. Aber beim Grab meiner Mutter schwöre ich, dass wir die Sprengung der Rattentunnel nicht beabsichtigt hatten.“
Ferrum klopfte auf den Tisch und wandte sich vorwurfsvoll an Louise. „Ich habe es immer wieder gesagt: ich habe das nicht getan! Ich kann dir jedes Gramm aufzählen, das ich in die Bastion und die Brücken gesteckt habe. Aber die Tunnel, das war ich nicht! Stümperarbeit war das! Keiner hat mir geglaubt, nicht einmal du!“
Wilhelm drückte Ferrums Arm auf den Tisch. „Beruhige dich jetzt“, knurrte er sanft.
„Beruhigen? Die Rotröcke wollten, dass ich das gestehe! Die wollten mir mit einem Schürhaken das Gemächt wegschmelzen ...“
Crochet sprach ein Machtwort: „Jedenfalls waren wir das nicht, Ferrum. Und du solltest das auch glauben.“ Louise gab sich damit nicht zufrieden. „Die Stadttore waren verriegelt und die Häuser brannten, und den Kanonenschlag eures Schiffs konnte ich bis ins Kloster hören.“
„Die Ratten waren unsere Verbündeten“, versuchte Crochet zu erklären. „Ganz sicher brauchten wir keine Hilfe von deren Frauen und Kindern, die sich da unten versteckten.“
„Die Explosion sorgte dafür, dass sie aus ihren Löchern kamen und dann in der Stadt herumrannten. Genau wie die Bürger“, kombinierte Guillaume.
„Damit es so aussieht, als hätten die Ratten versucht, während unseres Angriffs die Stadt zu übernehmen.“ Jaquard wurde deutlicher. „Die sollten nur für Unruhe stiften, gegen die Soldaten hätten die nicht lange standgehalten.“
„Zugegeben“, gestand Crochet, „wir waren uns nicht sicher, ob Ferrum das wirklich angestellt hat. Aber soviel Pulver hatten wir nicht übrig, fast alles haben wir für die Bastion gebraucht.“
Louise nahm einen Schluck aus dem Becher und winkte ab. „Das ist alles schön, das zu hören. Aber wenn das alles ist, dass ich mir hier die Beichten anhöre, dann werde ich wohl nicht lange gebraucht.“
„Louise“, sagte Jaquard eindringlich. „Sag uns, was nach unserer Flucht in Port Drake passiert ist. Wie hat Johnson auf unseren Raubzug reagiert?“
Die Löwin wischte sich den Rum von der Schnauze und schaute ernst in die Runde. „Das zu bereuen ist für euch alle zu spät. Was passiert ist? Johnson hat jede verfügbaren Mann genommen und dafür gesorgt, dass alle Ratten zusammengetrieben werden. Also jene, die noch überlebt haben. Das Massaker in den Straßen, die Zerstörung ihrer Tunnel, die Wut der Bürger. Rattenfrauen, Rattenjunge, ganz gleich. Dass ihr seinen Schafott nicht getroffen oder angezündet habt, verstand er dann als Wink des Schicksals.“
Es fiel ihr schwer darüber zu sprechen. „Außer Ferrum gab es keine gefangenen Piraten, die waren entweder tot oder getürmt. Aber das hinderte die Soldaten nicht daran, die Ratten als Schuldige auszumachen.“
Ferrum stimmte ihr zu. „Ich konnte das vom Fenster meiner Zelle hören. Die haben sie im Hof eingepfercht.“
„Manche hatten Glück und mussten Gräber schaufeln für ihre Artgenossen“, fuhr Louise fort. „Ich habe gesehen, wie die Rotröcke Männer mit Schaufeln ins Landesinnere führten. Andere hatten Pech und wurden gefoltert. Und als ich am dritten Tag soweit war, mit … 'Master' Ferrum hier zu fliehen, hatte Johnson schon Hinrichtungen im Akkord befohlen.“
Das stimmte die Männer im Raum nachdenklich. Aber Louise war nicht fertig. „Ein Mädchen von zwölf, ein Junge von zehn. Der Henker hat ihnen den Strick ihrer Größe angepasst.“
„Was kann sich Johnson davon erhoffen?“, fragte Ferrum. „Die wussten doch alle nichts über unseren Plan außer ich vielleicht.“
„Genugtuung“, sagte Wilhelm kalt, „die Bürger brauchten einen Sündenbock, und den bekamen sie. Jede Menge davon.“
„Eigentlich sollten die Ratten nur für Radau sorgen“, sagte Crochet. „Bane hatte ein paar finstere Gesellen für die schmutzige Arbeit, aber die meisten bekamen von uns eine Waffe und ungefähre Anweisungen, was sie zu tun hatten.“
„Kanonenfutter“, deutete Louise.
„Freiwillige mit Aussicht auf Gold“, konterte der Einhändige. „Die hätten abhauen können oder untertauchen. Jedenfalls war das so gedacht. Ihre Stollen … aber die Explosion hat alles versaut.“
„Worauf ich hinauswill“, sagte Jaquard, „ist die Frage an dich, Louise: nach dem, was du gesehen hast in Port Drake, wie fest glaubst du dürfte Hangin' Johnny entschlossen sein, uns zu kriegen? Nicht nur uns, auch alle anderen Piraten der Karibik?“
„Dieser Mann wird vor gar nichts zurückschrecken.“ Louise war davon fest überzeugt. „Er tötet Frauen und Kinder, um vielleicht einen Funken Wahrheit über den Angriff zu erfahren. Ganz sicher wird er Verstärkung rufen und uns bis ans Ende der Welt jagen.“
„Soweit muss er gar nicht fahren“, meinte Jaquard.
Der Löwin dämmerte es. „Wir segeln nach Tortuga?“
„Wir segeln nach Tortuga“, bestätigte sie der Fuchs.
Das Knarren des Schiffes in den Wellen war das einzige, was man im Raum hören konnte, jeder schwieg einen Moment über diese Entscheidung. Jeder wusste, was das bedeutete. Johnson würde den Krieg nach Tortuga bringen, so oder so, ob sich Jaquard dort versteckte oder nicht. Die Pestbeule der Karibik ausbrennen. Die Mittel bekommen, um den Hafen von den Karten zu fegen. Der letzte Ort, wo man sein sollte, wenn man den Stein dafür ins Rollen gebracht hatte.
Jean Dunois durchbrach das Schweigen. „Das ist das Vernünftigste, was du in letzter Zeit entschieden hast“, gestand er.
„Aye“, unterstützte ihn Crochet. Und Wilhelm ebenso. „Jawohl“, in bestem Deutsch.
Docteur Guillaume grübelte bereits über die Folgen dieser Entscheidung, nur Nat Ferrum protestierte. „Wir können dann auch gleich zurücksegeln nach Port Drake. Der Johnny wird mit zig Schiffen auftauchen und die Stadt bis auf die Grundsteine schleifen. Und jeder verdammte Pirat in Port Drake wird wissen, dass wir ihnen das eingebrockt haben.“
„Das werden sie“, meinte Jaquard, „und darauf scheißen. Wir haben mehr Gold als sie je im Leben sehen werden. Und wir werden es mit vollen Händen ausgeben. Wir kaufen diese Stadt und feiern, weil wir wissen, dass es kein Morgen geben wird. Irgendwann wäre sowieso jemand mit wehender Flagge und Krieg als Ladung nach Tortuga gefahren, dann sind wir es eben, die sich dann wehren werden.“
„Ihr seid verrückt.“ Die Löwin wirkte verunsichert über diese Entscheidung, auch wenn sie das wieder ihrem Mann näher bringen würde. Oder zumindest den Sturmgeborenen, die ihr helfen würden.
„Bin ich nicht“, wies Jaquard sie zurück. „Es ist das Richtige. Ich will nicht mit Gold unter den Armen weglaufen. Nein, ich war noch nie so von etwas überzeugt. Singh und Deadlock waren sich nie in etwas so richtig eins, aber beide wollten unbedingt, dass wir nach Nassau segeln, wenn das vorbei ist. Und genau das werden wir nicht. Und in Tortuga können wir dann neu über alles reden. Nur ist das nicht Singhs Stadt, sondern unsere, da muss er nach unseren Regeln spielen.“
„Wird Monsieur Singh sicherlich nicht erfreuen“, meinte Guillaume, der sich schließlich auch einen Becher Rum gönnte.
„Ach zum Teufel mit ihm“, spuckte Wilhelm aus.
„Wenn man es genau betrachtet“, sinnierte Jaquard, „ist man geneigt zu denken, dass uns jemand noch ein paar Untaten zusätzlich anhängen wollte, damit Johnson zum Handeln gezwungen ist.“ Die Männer stimmten ihm zu, auch Ferrum, der weiterhin versuchte, Gründe gegen Tortuga aufzubringen.
Die Löwin erhob sich. „Es freut mich, dass Ihr nun Verantwortung zeigt, aber mir wird schlecht, wie Ihr hier Leben abwiegt als seid Ihr der Herrgott.“
Jaquard verzog die Schnauze, es war nicht das erste Mal ihretwegen.
„Johnson hat vielleicht schon hundert Unschuldige aufgeknüpft oder lebenslang in Ketten gesteckt, und in Tortuga wird er das auch machen. Und wenn nicht, dann erkauft die Stadt sich ihre Freiheit mit Blut.“
„Aye“, sagte Jaquard. „Und mit ein wenig Vernunft mehr würdest du wissen, dass in Tortuga vernünftigere und größere Männer als wir schäbige Seeräuber leben, die uns dabei helfen können, all das zu verhindern. Murdstone würde von uns kein Gold nehmen, der würde mit Freude seine Fänge in Johnnys Kehle versenken. Und Silver … den kennst du ja besser als wir alle zusammen.“
Darauf konnte Louise nichts so schnell erwidern. Und Jaquard hatte sie ruhig gestellt. Er nutzte das, um fortzufahren.
„Gut, wir hatten einige Meinungsverschiedenheiten. Aber das werden wir bei gutem Port und reichlich Gold besprechen. Du denkst doch nicht, dass ich es alleine mit der englischen Flotte aufnehmen kann? Das muss ich nämlich auch nicht. Maitre Crochet, wie groß ist unsere Beute noch einmal?“
„Eine ganze Menge, mon capitaine“, erklärte der Jagdhund flapsig.
„Eine ganze Menge, richtig. Sicherlich dürstet es diesen Mann nach Vergeltung und Blut und was auch immer. Nur kriegt er damit nicht die Schiffe, die er braucht, um die Stadt einzustampfen. Jedenfalls nicht so bald. Wenn er aber diese wahnwitzig hohe Summe an Gold erwähnt, die der Krone verloren gehen würde, bekäme er schnell ein paar Schiffe zusammen. Dann müsste er sich beeilen und uns finden, denn mit jedem Tag wird diese ganze Menge an Gold kleiner und kleiner, bis nichts mehr da ist, wofür der König Männer und Material riskieren soll.“
Das klang für die Löwin sehr schlüssig. Jaquard war noch nicht fertig. „In Nassau oder sonst wo wäre die Venom ganz alleine, ohne Freunde und Verbündete. Singh kann man nur soweit trauen wie man selbst pissen kann. Da würde Johnson lachen und uns fünf oder sechs Schiffe hinterherhetzen, bis er uns kriegt. In Tortuga? Da kann er vielleicht mit den Säbeln rasseln und poltern. Aber wir hätten dann genügend Feuerkraft um ihm die Teezeit zu versalzen.“
Jaquard sah dabei auch Ferrum an. „Einwände?“ Das Frettchen senkte den Kopf. „Nein, mon capitaine.“
Der Fuchs nahm einen Schluck gegen die trockene Kehle. „Du musst das so sehen, Louise, ich vertraue nicht vielen Männern. Die meisten davon sitzen an diesem Tisch. Aber so sicher wie die Nacht auf den Tag folgt wird uns Logan Silver zur Seite stehen. Denn auf sein Wort kann man sich verlassen.“
„Aye“, stimmten alle Männer – auch Ferrum – zu.
Louise überlegte einen Moment und sah in ihren leeren Becher. Docteur Guillaume reichte ihr die Rumflasche. „Soll ich nachschenken, Madame?“
Die Löwin nahm die Flasche selber, zog mit ihren Zähnen den Korken ab und spuckte ihn auf den Boden, dann trank sie die halbvolle Flasche in einem Zug leer, unter dem Staunen der Piraten. Als sie fertig war, setzte sie die Flasche ab und wischte sich mit dem Prankenrücken über die Schnauze. „Bei genauerer Betrachtung … ist das wirklich ein guter Plan.“
Die Männer lachten freudig, selbst den ernsten Crochet und Wilhelm entglitt es. Die Löwin musste auch lachen, für einen Moment waren die Befürchtungen wie vom Rumpf gefegte Gischt. Innerlich freute sich Jaquard am meisten: Glücklich sein stand einer Löwin einfach besser.
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An der Tür zur Kapitänskajüte begrüßte sie der alte Vinnetpain, der auf einem Fass saß und mit dem Fuß den Zutritt versperrte. Ihr machte er den Weg frei und nickte mit der Hand an der Hutkrempe. Auf ihre Frage, was der Kapitän wollte, bekam sie nur ein Schulterzucken. Vom weißen Hund hatte sie sogar nur ein Grunzen bekommen.
Immer noch war es ein dunkler, verwinkelter Ort, durch den sich Licht einen Weg brach, nur um lange Schatten zu werfen. Zu ihrer Überraschung war du Sang nicht anwesend, dafür aber saßen am Kartentisch die wichtigsten Männer seines Stabs.
Zur Rechten des Kapitänsstuhls sah sie Jacques Crochet, den Pharaohund mit der Hakenhand und erstem Maat. Ein harter Knochen, der ihr jedoch mit gebürtigem Respekt und Höflichkeit begegnete. Ihm gegenüber zur Linken der alte Dunois auf einem Hocker, das Holzbein tief unter den Tisch gestreckt. Sie wusste, dass der Schäferhund auf der Venom als Koch diente, daher ging sie davon aus, dass er von der Mannschaft in den Rat gewählt wurde.
Neben Crochet saß der Weimaraner Wilhelm, der sich gerade seine Meerschaumpfeife mit Tabak stopfte. Die weinrote Mütze hatte er auf dem Kartentisch gelegt. Louise wusste nur wenig über ihn außer seinen Namen, den Mallory einmal hatte fallen lassen. Vermutlich war er der Steuermann oder ein weiterer Maat.
An Dunois' Seite fand sich der Hase Guillaume, der Bordarzt. Dieser hatte sich ihre Kratzer angesehen, welche sie von Enrique verpasst bekam. Der Docteur war auffallend höflich und freundlich ihr gegenüber. Überhaupt überraschte sie der Stab du Sangs, der weitestgehend aus vernünftigen Männern bestand. Selbst Logan Silver hielt sich mit Finnegan Keeley oder Giles rabiate Gesellen im engsten Kreis.
Aus der Reihe fiel Nathaniel Ferrum, das Frettchen. Dieser wich ihren Blicken aus und versuchte sich selbst abzulenken, die Finger berührten sich nervös an den Spitzen. Louise machte keinen Hehl daraus, dass sie den Pulvermeister nicht ausstehen konnte. Einst hatte sie ihm die Flucht aus der Todeszelle von Port Drake geholfen, damit er sie nach Tortuga bringen sollte. Zum Dank ließ er sie in einem spanischen Hafen sitzen und rannte bei erster Gelegenheit zu seiner Mannschaft zurück.
Die Sitzaufteilung wollte es so, dass Louise den letzten freien Platz neben Guillaume und gegenüber Ferrum bekam. Auf dem Tisch fanden sich Holzbecher und Rumflaschen, sowie eine vergilbte Karte der Antillen.
„Madame“, grüßten sie Crochet und Dunois, Wilhelm nickte kurz und zündete sich die Pfeife an. „So nehmt doch Platz“, bat sie der Hase, und sie ging ihr nach.
„Gentlemen“, erwiderte sie gezwungen freundlich, und eindeutig nicht erfreut nahm sie das Frettchen aus. „Ferrum ...“
„Wenn Ihr Schwierigkeiten habt, unserer Unterhaltung auf Französisch zu folgen“, erklärte der Docteur in ihrer Muttersprache, „so werde ich Euch gerne beim Übersetzen behilflich sein.“
„Ich spreche ausreichend Französisch, dank“, antwortete sie wiederum in seiner Sprache. „meine Ziehmutter kam aus Calais.“ Beherzt griff sie zur Rumflasche und schenkte sich einen Becher ein. „Und in welcher Sprache erfahre ich, was ich hier soll?“
„Der Kapitän hat uns das nicht gesagt“, sagte Crochet, „er müsste jeden Moment hier eintreffen.“
Du Sang war vor der Tür zu hören. Offenbar unterstrich er mit Nachdruck, dass er Tyler Bane nicht bei dieser Besprechung dabeihaben wollte. „Maitre Vinnetpain, erklärt Master Ratte, dass seine Anwesenheit nicht vonnöten ist. Ein Kapitän hat dafür keine Zeit.“
„Du hast den Kapitän gehört“, sagte Vinnetpain, als er die Tür freigab. „Ich erkläre es dir gerne auch mit dem spitzen Ende einer Waffe.“
Louise konnte Banes Gesicht sehen, für einen Wimpernschlag. Die funkelnden Augen tief in seiner weißen Fellmaske, und die Verachtung, die er für sie nur übrig hatte. Naserümpfend entfernte er sich, Unwillens, eine mit Stahl vorgetragene Lektion zu erhalten. Hinter du Sang warf Vinnetpain die Tür zu.
Jaquard war immer noch gezeichnet von der tiefen Wunde, die Battiston ihm zugefügt hatte. Die Brust trug er immer noch frei, umwickelt von nach Salbe riechenden Verbänden, und darüber sein Kapitänsmantel. „Bleibt sitzen“, winkte er Wilhelm und Crochet ab, die sich aus Respekt erheben wollten. Er selbst nahm langsam und mit gerade gehaltenem Rücken auf seinem Stuhl Platz.
„Messieurs, Madame“, fing er an, als Dunois ihm einen Becher Rum einschenkte. „Ich habe die letzten Tage über unser weiteres Vorgehen nachgedacht. Und bin zu einer Entscheidung gekommen. Betrachtet es als Sinneswandel oder Vorsicht, aber wir werden nicht nach Nassau segeln, wie es geplant war.“
Am meisten zeigte sich Ferrum überrascht, wohingegen Wilhelm leicht nickte und dem zustimmte. „Nassau ist weit weg von Port Drake“, sagte das Frettchen nervös. „Und ziemlich sicher, der Johnny würde nicht so schnell da hinausfahren können.“
„Aye“, sagte der Fuchs, „aber Singh hat uns diese Route empfohlen, ebenso Deadlock. Und ich kann beiden nicht vertrauen, schon gar nicht dem gehörnten Teufel.“ Er tippte mit dem Finger auf den Tisch und drückte die Kralle tief ins Holz. „Wisst ihr, wenn man so darüber nachdenkt, was alles in Port Drake nicht nach Plan lief, kommt man doch auf den Gedanken, dass Singh die letzte große Überraschung für uns in Nassau parat hat.“
„Du meinst nicht nach unserem Plan“, fügte Crochet hinzu, „da war einiges dabei, was Deadlock zum Vorteil gereichte.“
Louise fühlte sich da außen vor stehend. „Wie meint Ihr das?“
Der Fuchs fuhr fort: „In Port Drake waren wir für manche Untat verantwortlich, allem voran ich. Aber beim Grab meiner Mutter schwöre ich, dass wir die Sprengung der Rattentunnel nicht beabsichtigt hatten.“
Ferrum klopfte auf den Tisch und wandte sich vorwurfsvoll an Louise. „Ich habe es immer wieder gesagt: ich habe das nicht getan! Ich kann dir jedes Gramm aufzählen, das ich in die Bastion und die Brücken gesteckt habe. Aber die Tunnel, das war ich nicht! Stümperarbeit war das! Keiner hat mir geglaubt, nicht einmal du!“
Wilhelm drückte Ferrums Arm auf den Tisch. „Beruhige dich jetzt“, knurrte er sanft.
„Beruhigen? Die Rotröcke wollten, dass ich das gestehe! Die wollten mir mit einem Schürhaken das Gemächt wegschmelzen ...“
Crochet sprach ein Machtwort: „Jedenfalls waren wir das nicht, Ferrum. Und du solltest das auch glauben.“ Louise gab sich damit nicht zufrieden. „Die Stadttore waren verriegelt und die Häuser brannten, und den Kanonenschlag eures Schiffs konnte ich bis ins Kloster hören.“
„Die Ratten waren unsere Verbündeten“, versuchte Crochet zu erklären. „Ganz sicher brauchten wir keine Hilfe von deren Frauen und Kindern, die sich da unten versteckten.“
„Die Explosion sorgte dafür, dass sie aus ihren Löchern kamen und dann in der Stadt herumrannten. Genau wie die Bürger“, kombinierte Guillaume.
„Damit es so aussieht, als hätten die Ratten versucht, während unseres Angriffs die Stadt zu übernehmen.“ Jaquard wurde deutlicher. „Die sollten nur für Unruhe stiften, gegen die Soldaten hätten die nicht lange standgehalten.“
„Zugegeben“, gestand Crochet, „wir waren uns nicht sicher, ob Ferrum das wirklich angestellt hat. Aber soviel Pulver hatten wir nicht übrig, fast alles haben wir für die Bastion gebraucht.“
Louise nahm einen Schluck aus dem Becher und winkte ab. „Das ist alles schön, das zu hören. Aber wenn das alles ist, dass ich mir hier die Beichten anhöre, dann werde ich wohl nicht lange gebraucht.“
„Louise“, sagte Jaquard eindringlich. „Sag uns, was nach unserer Flucht in Port Drake passiert ist. Wie hat Johnson auf unseren Raubzug reagiert?“
Die Löwin wischte sich den Rum von der Schnauze und schaute ernst in die Runde. „Das zu bereuen ist für euch alle zu spät. Was passiert ist? Johnson hat jede verfügbaren Mann genommen und dafür gesorgt, dass alle Ratten zusammengetrieben werden. Also jene, die noch überlebt haben. Das Massaker in den Straßen, die Zerstörung ihrer Tunnel, die Wut der Bürger. Rattenfrauen, Rattenjunge, ganz gleich. Dass ihr seinen Schafott nicht getroffen oder angezündet habt, verstand er dann als Wink des Schicksals.“
Es fiel ihr schwer darüber zu sprechen. „Außer Ferrum gab es keine gefangenen Piraten, die waren entweder tot oder getürmt. Aber das hinderte die Soldaten nicht daran, die Ratten als Schuldige auszumachen.“
Ferrum stimmte ihr zu. „Ich konnte das vom Fenster meiner Zelle hören. Die haben sie im Hof eingepfercht.“
„Manche hatten Glück und mussten Gräber schaufeln für ihre Artgenossen“, fuhr Louise fort. „Ich habe gesehen, wie die Rotröcke Männer mit Schaufeln ins Landesinnere führten. Andere hatten Pech und wurden gefoltert. Und als ich am dritten Tag soweit war, mit … 'Master' Ferrum hier zu fliehen, hatte Johnson schon Hinrichtungen im Akkord befohlen.“
Das stimmte die Männer im Raum nachdenklich. Aber Louise war nicht fertig. „Ein Mädchen von zwölf, ein Junge von zehn. Der Henker hat ihnen den Strick ihrer Größe angepasst.“
„Was kann sich Johnson davon erhoffen?“, fragte Ferrum. „Die wussten doch alle nichts über unseren Plan außer ich vielleicht.“
„Genugtuung“, sagte Wilhelm kalt, „die Bürger brauchten einen Sündenbock, und den bekamen sie. Jede Menge davon.“
„Eigentlich sollten die Ratten nur für Radau sorgen“, sagte Crochet. „Bane hatte ein paar finstere Gesellen für die schmutzige Arbeit, aber die meisten bekamen von uns eine Waffe und ungefähre Anweisungen, was sie zu tun hatten.“
„Kanonenfutter“, deutete Louise.
„Freiwillige mit Aussicht auf Gold“, konterte der Einhändige. „Die hätten abhauen können oder untertauchen. Jedenfalls war das so gedacht. Ihre Stollen … aber die Explosion hat alles versaut.“
„Worauf ich hinauswill“, sagte Jaquard, „ist die Frage an dich, Louise: nach dem, was du gesehen hast in Port Drake, wie fest glaubst du dürfte Hangin' Johnny entschlossen sein, uns zu kriegen? Nicht nur uns, auch alle anderen Piraten der Karibik?“
„Dieser Mann wird vor gar nichts zurückschrecken.“ Louise war davon fest überzeugt. „Er tötet Frauen und Kinder, um vielleicht einen Funken Wahrheit über den Angriff zu erfahren. Ganz sicher wird er Verstärkung rufen und uns bis ans Ende der Welt jagen.“
„Soweit muss er gar nicht fahren“, meinte Jaquard.
Der Löwin dämmerte es. „Wir segeln nach Tortuga?“
„Wir segeln nach Tortuga“, bestätigte sie der Fuchs.
Das Knarren des Schiffes in den Wellen war das einzige, was man im Raum hören konnte, jeder schwieg einen Moment über diese Entscheidung. Jeder wusste, was das bedeutete. Johnson würde den Krieg nach Tortuga bringen, so oder so, ob sich Jaquard dort versteckte oder nicht. Die Pestbeule der Karibik ausbrennen. Die Mittel bekommen, um den Hafen von den Karten zu fegen. Der letzte Ort, wo man sein sollte, wenn man den Stein dafür ins Rollen gebracht hatte.
Jean Dunois durchbrach das Schweigen. „Das ist das Vernünftigste, was du in letzter Zeit entschieden hast“, gestand er.
„Aye“, unterstützte ihn Crochet. Und Wilhelm ebenso. „Jawohl“, in bestem Deutsch.
Docteur Guillaume grübelte bereits über die Folgen dieser Entscheidung, nur Nat Ferrum protestierte. „Wir können dann auch gleich zurücksegeln nach Port Drake. Der Johnny wird mit zig Schiffen auftauchen und die Stadt bis auf die Grundsteine schleifen. Und jeder verdammte Pirat in Port Drake wird wissen, dass wir ihnen das eingebrockt haben.“
„Das werden sie“, meinte Jaquard, „und darauf scheißen. Wir haben mehr Gold als sie je im Leben sehen werden. Und wir werden es mit vollen Händen ausgeben. Wir kaufen diese Stadt und feiern, weil wir wissen, dass es kein Morgen geben wird. Irgendwann wäre sowieso jemand mit wehender Flagge und Krieg als Ladung nach Tortuga gefahren, dann sind wir es eben, die sich dann wehren werden.“
„Ihr seid verrückt.“ Die Löwin wirkte verunsichert über diese Entscheidung, auch wenn sie das wieder ihrem Mann näher bringen würde. Oder zumindest den Sturmgeborenen, die ihr helfen würden.
„Bin ich nicht“, wies Jaquard sie zurück. „Es ist das Richtige. Ich will nicht mit Gold unter den Armen weglaufen. Nein, ich war noch nie so von etwas überzeugt. Singh und Deadlock waren sich nie in etwas so richtig eins, aber beide wollten unbedingt, dass wir nach Nassau segeln, wenn das vorbei ist. Und genau das werden wir nicht. Und in Tortuga können wir dann neu über alles reden. Nur ist das nicht Singhs Stadt, sondern unsere, da muss er nach unseren Regeln spielen.“
„Wird Monsieur Singh sicherlich nicht erfreuen“, meinte Guillaume, der sich schließlich auch einen Becher Rum gönnte.
„Ach zum Teufel mit ihm“, spuckte Wilhelm aus.
„Wenn man es genau betrachtet“, sinnierte Jaquard, „ist man geneigt zu denken, dass uns jemand noch ein paar Untaten zusätzlich anhängen wollte, damit Johnson zum Handeln gezwungen ist.“ Die Männer stimmten ihm zu, auch Ferrum, der weiterhin versuchte, Gründe gegen Tortuga aufzubringen.
Die Löwin erhob sich. „Es freut mich, dass Ihr nun Verantwortung zeigt, aber mir wird schlecht, wie Ihr hier Leben abwiegt als seid Ihr der Herrgott.“
Jaquard verzog die Schnauze, es war nicht das erste Mal ihretwegen.
„Johnson hat vielleicht schon hundert Unschuldige aufgeknüpft oder lebenslang in Ketten gesteckt, und in Tortuga wird er das auch machen. Und wenn nicht, dann erkauft die Stadt sich ihre Freiheit mit Blut.“
„Aye“, sagte Jaquard. „Und mit ein wenig Vernunft mehr würdest du wissen, dass in Tortuga vernünftigere und größere Männer als wir schäbige Seeräuber leben, die uns dabei helfen können, all das zu verhindern. Murdstone würde von uns kein Gold nehmen, der würde mit Freude seine Fänge in Johnnys Kehle versenken. Und Silver … den kennst du ja besser als wir alle zusammen.“
Darauf konnte Louise nichts so schnell erwidern. Und Jaquard hatte sie ruhig gestellt. Er nutzte das, um fortzufahren.
„Gut, wir hatten einige Meinungsverschiedenheiten. Aber das werden wir bei gutem Port und reichlich Gold besprechen. Du denkst doch nicht, dass ich es alleine mit der englischen Flotte aufnehmen kann? Das muss ich nämlich auch nicht. Maitre Crochet, wie groß ist unsere Beute noch einmal?“
„Eine ganze Menge, mon capitaine“, erklärte der Jagdhund flapsig.
„Eine ganze Menge, richtig. Sicherlich dürstet es diesen Mann nach Vergeltung und Blut und was auch immer. Nur kriegt er damit nicht die Schiffe, die er braucht, um die Stadt einzustampfen. Jedenfalls nicht so bald. Wenn er aber diese wahnwitzig hohe Summe an Gold erwähnt, die der Krone verloren gehen würde, bekäme er schnell ein paar Schiffe zusammen. Dann müsste er sich beeilen und uns finden, denn mit jedem Tag wird diese ganze Menge an Gold kleiner und kleiner, bis nichts mehr da ist, wofür der König Männer und Material riskieren soll.“
Das klang für die Löwin sehr schlüssig. Jaquard war noch nicht fertig. „In Nassau oder sonst wo wäre die Venom ganz alleine, ohne Freunde und Verbündete. Singh kann man nur soweit trauen wie man selbst pissen kann. Da würde Johnson lachen und uns fünf oder sechs Schiffe hinterherhetzen, bis er uns kriegt. In Tortuga? Da kann er vielleicht mit den Säbeln rasseln und poltern. Aber wir hätten dann genügend Feuerkraft um ihm die Teezeit zu versalzen.“
Jaquard sah dabei auch Ferrum an. „Einwände?“ Das Frettchen senkte den Kopf. „Nein, mon capitaine.“
Der Fuchs nahm einen Schluck gegen die trockene Kehle. „Du musst das so sehen, Louise, ich vertraue nicht vielen Männern. Die meisten davon sitzen an diesem Tisch. Aber so sicher wie die Nacht auf den Tag folgt wird uns Logan Silver zur Seite stehen. Denn auf sein Wort kann man sich verlassen.“
„Aye“, stimmten alle Männer – auch Ferrum – zu.
Louise überlegte einen Moment und sah in ihren leeren Becher. Docteur Guillaume reichte ihr die Rumflasche. „Soll ich nachschenken, Madame?“
Die Löwin nahm die Flasche selber, zog mit ihren Zähnen den Korken ab und spuckte ihn auf den Boden, dann trank sie die halbvolle Flasche in einem Zug leer, unter dem Staunen der Piraten. Als sie fertig war, setzte sie die Flasche ab und wischte sich mit dem Prankenrücken über die Schnauze. „Bei genauerer Betrachtung … ist das wirklich ein guter Plan.“
Die Männer lachten freudig, selbst den ernsten Crochet und Wilhelm entglitt es. Die Löwin musste auch lachen, für einen Moment waren die Befürchtungen wie vom Rumpf gefegte Gischt. Innerlich freute sich Jaquard am meisten: Glücklich sein stand einer Löwin einfach besser.
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