Kurzgeschichte zwischen Billy Standish, der Piratenratte, und dem Priester Donovan Keeley, einem Hammel ohne Hörner, in Tortuga. Viel Spaß!
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Die Mittagssonne brannte heiß auf Standishs Pelz, seine haarlosen Hände fühlten sich trocken an, ebenso seine Kehle. Dennoch hämmerte er Nagel um Nagel in die hölzernen Platten, welche das Dach der Kirche abdichteten. Jeder Schlag saß beim ersten Mal, und in Windeseile hatte er eine weitere Reihe geschafft. Die Nägel schmeckten ihm auf den Lippen, und jeden von ihnen zog er fließend heraus, um sie im Holz zu versenken.
"Master Standish! Master Standish!", rief der Priester vom kaputten Kirchtor aus, schwer nach Luft atmend und erschöpft. In seiner schwarzen Kutte musste er sich wie von Höllfenfeuer umgarnt fühlen. Die Ratte hielt mit ihrem Werk inne. Bruder Donovan hatte einen Krug Wasser und einen kleinen Brotbeutel dabei. "So kommt doch herunter, es ist Mittagszeit!"
Billy Standish spuckte die Nägel in die Hand und steckte sie in den Beutel zurück, und den Hammer in den Gürtel, dann stieg er die Leiter hinab. Unten erwartete ihn der Hammel. "Gönnt Euch eine Pause", sagte Donovan, als er wieder etwas Luft hatte. Der Nager griff nach dem Krug und trank in tiefen Zügen.
"Nehmt doch Platz", bat ihn der Priester freundlich und ging zu den Stufen an der Kirchtür. Dafür erntete er einen skeptischen Blick. Der Hammel holte das Stück Schwarzbrot hervor, kaum genug für zwei Personen. "Für mehr reichte das Geld nicht, verzeiht."
Die Ratte setzte sich an das andere Ende der Stufe und sah zu, wie Donovan das Brot teilte. Er kämpfte mit der harten Kruste und brach nur ein kleines Stück ab. Aber ohne Zögern reichte er Billy das größere Stück. "Hast du keinen Hunger?", wollte die Ratte von ihm wissen.
"Aber Ihr habt doch so hart gearbeitet", sagte Donovan.
Anders als sein Bruder war Donovan Keeley kein großer, starker Widder, sondern dürr und eher klein. Auch seine bis auf zwei Stümpfe abgeschabten Hörner trugen dazu bei, dass er kümmerlich neben Finn und selbst anderen Schafen wirkte. Sein Gesicht war jedoch gezeichnet von Güte und Freundlichkeit, und seine Stimme sanft. Billy brach das Brot mühelos entzwei und reichte Donovan ein Stück. "Du hast es schließlich bezahlt und gebracht, hier nimm".
Nur zögerlich nahm der Hammel das Brot an, aber der Hunger in ihm war zu irdisch. "Habt Dank." Dann bekam er von Standish noch den Wasserkrug gereicht. "Wenn dir die Rinde zu hart ist, gib sie mir ruhig", sagte die Ratte und fing an, das Brot Stück für Stück aufzuknabbern. Donovan dagegen tat sich mit seinen stumpfen Zähnen schwerer, tunkte das Brot dann aber in den Krug und konnte ebenfalls essen.
"Finnegan hat mir von Euch erzählt", sagte Donovan beim Essen.
"Und was?", fragte Standish knapp.
"Er sagt ich solle auf Euch aufpassen, Ihr seid ihm der beste Freund, den er jemals hatte."
Standish hörte kurz mit dem Knabbern auf, um Donovan ganz zuzuhören.
"Ich weiß ich sollte nicht so denken, doch es traf mich, weil er Euch Bruder nannte. Ist er das für Euch?"
Standish sah aufs Kirchtor. "Ist mein bester Freund. Immer fröhlich, nie wütend. Und er sagt mir nie, dass das was ich mache, falsch ist."
Donovan senkte seinen Blick. Das enting Standish nicht, doch der Hammel konnte schlecht einschätzen, ob das gelbe Auge ihn strafend anschaute.
"Ich kenne ihn mein halbes Leben, länger sogar", korrigierte sich die Ratte.
"Hat er je von Zuhause erzählt?", wollte Donovan wissen. "Also von unserer Heimat?"
Standish schüttelte den Kopf leicht. "Nur diese Geschichte mit den Schafsweibern. Immer wieder."
"Das ist traurig, das zu hören."
"Ich habe ihm auch nie von meiner Heimat erzählt. Er hat auch nie danach gefragt. Unser Zuhause liegt jetzt da unten im Hafen. Das ist, was zählt." Die Ratte nagte an einem Stück Rinde.
Donovans Stimme wurde brüchiger. "Mutter sagte, sie würde ihm die Tracht Prügel seines Lebens geben. Aber sie wollte immer, das er heimkäme, egal was gewesen ist. Wir hatten als Kinder eine schöne Zeit. Und dann ging er fort."
"Und du in die Kirche", fügte Standish hinzu.
"Unser Hof verarmte, und wegen Finn war unser Ruf ruiniert", erzählte Donovan. "Mutter brach es das Herz, und unser Vater starb als gebrochener Mann. Wir kamen alle irgendwo unter, aber wir galten als verdorben wie er."
Standish schüttelte den Kopf, verkniff sich jedoch einen Fluch, weil er wusste, wo er war.
"Die Weihe konnte ich nur als Hammel empfangen, frei von der Sünde der Fleischeslust", fuhr Donovan fort, auch wenn er wusste, dass es in Tortuga kein Geheimnis war, dass er ein Verschnittener war. Hinter Finns Rücken wurde das geflüstert, und Piraten anderer Mannschaften zeigten sich amüsiert, aber ihm es ins Gesicht sagen konnte keiner. Der Widder war seit Donovans Wiederkehr einerseits glücklich, seinen Bruder wieder bei sich zu haben, andererseits beschämt darüber, wie es ihm wegen seines Fehltrittes ergangen war.
"Dein Bruder ist ein guter Mann", sagte Standish dann, um aufmunternde Worte bemüht. "Wir sind alles Gesetzlose und ich bin sicher, in deinem Buch steht drin was uns dafür eines Tages blüht. Aber er war nie grausam oder heimtückisch. Im Kampf hilft er uns auf die Beine und beim Feiern bringt er uns zum Lachen. Das, was er getan hat, kann er nicht wieder rückgängig machen, auch das nicht, was mit dir passiert ist. Aber ich bin sicher, er versucht es seitdem, besser zu machen."
Das schien Donovan zu trösten. "Ich kenne ihn schon mein halbes Leben lang. Meine Brüder von Geburt habe ich längst vergessen. Ihre Gesichter, ihre Namen. Wie sie gerochen haben. Aber Finn wurde mir ein Bruder, und ich bin sicher, dass da in seiner Brust ein Herz schlägt, in dem du auch einen Platz findest, wenn du ihn nur lässt." Standish war schon überrascht, dass er so etwas sagte. Es musste wohl an Finn liegen, der ihm mehr bedeutete, als er immer zugeben mochte.
Donovan nickte nur, die Augen wäßrig, aber glücklich blickend. Billy Standish griff sich das Stück Rinde in seiner Hand. "Aber wenn du jemanden was davon erzählst, dass ich dir das gesagt habe ..."
Der Hammel beschwichtigte ihn sofort. "Ihr habt mein Wort, ich weiß Euer Vertrauen zu schätzen."
"Gut", sagte Standish und riss mit den Zähnen ein Stück Rinde ab. "Und nenn' mich nicht Master."
"Wie denn sonst?", fragte Donovan.
"Einfach Standish. Freunde, Feinde, der Captain, alle nennen mich so. Auch meine Brüder."
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Die Mittagssonne brannte heiß auf Standishs Pelz, seine haarlosen Hände fühlten sich trocken an, ebenso seine Kehle. Dennoch hämmerte er Nagel um Nagel in die hölzernen Platten, welche das Dach der Kirche abdichteten. Jeder Schlag saß beim ersten Mal, und in Windeseile hatte er eine weitere Reihe geschafft. Die Nägel schmeckten ihm auf den Lippen, und jeden von ihnen zog er fließend heraus, um sie im Holz zu versenken.
"Master Standish! Master Standish!", rief der Priester vom kaputten Kirchtor aus, schwer nach Luft atmend und erschöpft. In seiner schwarzen Kutte musste er sich wie von Höllfenfeuer umgarnt fühlen. Die Ratte hielt mit ihrem Werk inne. Bruder Donovan hatte einen Krug Wasser und einen kleinen Brotbeutel dabei. "So kommt doch herunter, es ist Mittagszeit!"
Billy Standish spuckte die Nägel in die Hand und steckte sie in den Beutel zurück, und den Hammer in den Gürtel, dann stieg er die Leiter hinab. Unten erwartete ihn der Hammel. "Gönnt Euch eine Pause", sagte Donovan, als er wieder etwas Luft hatte. Der Nager griff nach dem Krug und trank in tiefen Zügen.
"Nehmt doch Platz", bat ihn der Priester freundlich und ging zu den Stufen an der Kirchtür. Dafür erntete er einen skeptischen Blick. Der Hammel holte das Stück Schwarzbrot hervor, kaum genug für zwei Personen. "Für mehr reichte das Geld nicht, verzeiht."
Die Ratte setzte sich an das andere Ende der Stufe und sah zu, wie Donovan das Brot teilte. Er kämpfte mit der harten Kruste und brach nur ein kleines Stück ab. Aber ohne Zögern reichte er Billy das größere Stück. "Hast du keinen Hunger?", wollte die Ratte von ihm wissen.
"Aber Ihr habt doch so hart gearbeitet", sagte Donovan.
Anders als sein Bruder war Donovan Keeley kein großer, starker Widder, sondern dürr und eher klein. Auch seine bis auf zwei Stümpfe abgeschabten Hörner trugen dazu bei, dass er kümmerlich neben Finn und selbst anderen Schafen wirkte. Sein Gesicht war jedoch gezeichnet von Güte und Freundlichkeit, und seine Stimme sanft. Billy brach das Brot mühelos entzwei und reichte Donovan ein Stück. "Du hast es schließlich bezahlt und gebracht, hier nimm".
Nur zögerlich nahm der Hammel das Brot an, aber der Hunger in ihm war zu irdisch. "Habt Dank." Dann bekam er von Standish noch den Wasserkrug gereicht. "Wenn dir die Rinde zu hart ist, gib sie mir ruhig", sagte die Ratte und fing an, das Brot Stück für Stück aufzuknabbern. Donovan dagegen tat sich mit seinen stumpfen Zähnen schwerer, tunkte das Brot dann aber in den Krug und konnte ebenfalls essen.
"Finnegan hat mir von Euch erzählt", sagte Donovan beim Essen.
"Und was?", fragte Standish knapp.
"Er sagt ich solle auf Euch aufpassen, Ihr seid ihm der beste Freund, den er jemals hatte."
Standish hörte kurz mit dem Knabbern auf, um Donovan ganz zuzuhören.
"Ich weiß ich sollte nicht so denken, doch es traf mich, weil er Euch Bruder nannte. Ist er das für Euch?"
Standish sah aufs Kirchtor. "Ist mein bester Freund. Immer fröhlich, nie wütend. Und er sagt mir nie, dass das was ich mache, falsch ist."
Donovan senkte seinen Blick. Das enting Standish nicht, doch der Hammel konnte schlecht einschätzen, ob das gelbe Auge ihn strafend anschaute.
"Ich kenne ihn mein halbes Leben, länger sogar", korrigierte sich die Ratte.
"Hat er je von Zuhause erzählt?", wollte Donovan wissen. "Also von unserer Heimat?"
Standish schüttelte den Kopf leicht. "Nur diese Geschichte mit den Schafsweibern. Immer wieder."
"Das ist traurig, das zu hören."
"Ich habe ihm auch nie von meiner Heimat erzählt. Er hat auch nie danach gefragt. Unser Zuhause liegt jetzt da unten im Hafen. Das ist, was zählt." Die Ratte nagte an einem Stück Rinde.
Donovans Stimme wurde brüchiger. "Mutter sagte, sie würde ihm die Tracht Prügel seines Lebens geben. Aber sie wollte immer, das er heimkäme, egal was gewesen ist. Wir hatten als Kinder eine schöne Zeit. Und dann ging er fort."
"Und du in die Kirche", fügte Standish hinzu.
"Unser Hof verarmte, und wegen Finn war unser Ruf ruiniert", erzählte Donovan. "Mutter brach es das Herz, und unser Vater starb als gebrochener Mann. Wir kamen alle irgendwo unter, aber wir galten als verdorben wie er."
Standish schüttelte den Kopf, verkniff sich jedoch einen Fluch, weil er wusste, wo er war.
"Die Weihe konnte ich nur als Hammel empfangen, frei von der Sünde der Fleischeslust", fuhr Donovan fort, auch wenn er wusste, dass es in Tortuga kein Geheimnis war, dass er ein Verschnittener war. Hinter Finns Rücken wurde das geflüstert, und Piraten anderer Mannschaften zeigten sich amüsiert, aber ihm es ins Gesicht sagen konnte keiner. Der Widder war seit Donovans Wiederkehr einerseits glücklich, seinen Bruder wieder bei sich zu haben, andererseits beschämt darüber, wie es ihm wegen seines Fehltrittes ergangen war.
"Dein Bruder ist ein guter Mann", sagte Standish dann, um aufmunternde Worte bemüht. "Wir sind alles Gesetzlose und ich bin sicher, in deinem Buch steht drin was uns dafür eines Tages blüht. Aber er war nie grausam oder heimtückisch. Im Kampf hilft er uns auf die Beine und beim Feiern bringt er uns zum Lachen. Das, was er getan hat, kann er nicht wieder rückgängig machen, auch das nicht, was mit dir passiert ist. Aber ich bin sicher, er versucht es seitdem, besser zu machen."
Das schien Donovan zu trösten. "Ich kenne ihn schon mein halbes Leben lang. Meine Brüder von Geburt habe ich längst vergessen. Ihre Gesichter, ihre Namen. Wie sie gerochen haben. Aber Finn wurde mir ein Bruder, und ich bin sicher, dass da in seiner Brust ein Herz schlägt, in dem du auch einen Platz findest, wenn du ihn nur lässt." Standish war schon überrascht, dass er so etwas sagte. Es musste wohl an Finn liegen, der ihm mehr bedeutete, als er immer zugeben mochte.
Donovan nickte nur, die Augen wäßrig, aber glücklich blickend. Billy Standish griff sich das Stück Rinde in seiner Hand. "Aber wenn du jemanden was davon erzählst, dass ich dir das gesagt habe ..."
Der Hammel beschwichtigte ihn sofort. "Ihr habt mein Wort, ich weiß Euer Vertrauen zu schätzen."
"Gut", sagte Standish und riss mit den Zähnen ein Stück Rinde ab. "Und nenn' mich nicht Master."
"Wie denn sonst?", fragte Donovan.
"Einfach Standish. Freunde, Feinde, der Captain, alle nennen mich so. Auch meine Brüder."
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