Vorhergehendes Kapitel / Erstes Kapitel / Nächstes KapitelFive Dragons: DLvP: Kapitel 15: Der Steinerne WitzboldCatherine stand in ihrem Arbeitszimmer und unterhielt sich mit Daniel.
„Es scheint wohl langsam zur Gewohnheit zu werden, dass er mich immer wieder verblüfft“, lobte sie Roland, als sie ihren Bediensteten schwach lächelnd ansah. Ihr Blick kehrte sich jedoch rasch in eine skeptische Miene. „Aber dennoch, mit einem Drachen?“ Daniel warf ihr einen verständnisvollen Blick zu. „Fürchtet ihr eine ähnliche Reaktion wie damals?“, wagte er vorsichtig zu fragen. „Hectors Ruf war schliesslich stark angeschlagen, als er seine Partnerschaft mit Katara bekannt gab.“ Das Gesicht von ihrem Gesprächspartner abgewandt seufzte sie angespannt. „Wir wissen doch beide, dass so etwas öfter vorkommt, als es die meisten zugeben würden.“ In einem flüchtigen Moment erkannte Daniel einen Schimmer der Angst in ihren Augen, der sich über ihre heitere Miene legte. Er war jedoch so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. „Nein, das ist es nicht“, fügte sie gelassen an. „Ist alles in Ordnung, Herrin?“, hakte Daniel ernst nach. Die Augen geschlossen schwenkte sie mit einem schwachen Lächeln ihr Gesicht verneinend hin und her. Catherine warf ihren nachdenklichen Blick aus dem Fenster und schritt langsam an das Glas heran. Ein unangenehmer Schauer kletterte ihren Rücken hoch. „Ich werde einfach das Gefühl nicht los, von etwas beobachtet zu werden, etwas Finsterem.“
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Roland kniete mit Kyndle an seiner Seite auf der verkohlten Lichtung und sah stumm seinen Lehrer an, der ihm eine helfende Hand reichte. „Das alles nur um meinen Zugang zu wecken?!“, dachte er laut in sich hinein. „Diese schmerzenden Erinnerungen ein weiteres Mal zu durchleben diente nur einem Experiment?!“ Er ignorierte die offerierte Hilfe und richtete sich bei seiner Drachin abstützend auf. Mit einem gemischten Blick aus Wut und Verwirrung sah er Aaros schweigend an. Kyndle lehnte sich immer noch an Roland, tat es ihm aber gleich und sah den Lehrer ebenfalls mit gemischten Emotionen an. Entschuldigend hob er seine Hände und senkte leicht sein Gesicht. „Tut mir leid, dass es auf diese Art sein musste“, äusserte er sich leise. Er drehte sich um und schritt zu dem verschont gebliebenem Flecken Erde zurück. Den Stab aufgehoben setzte er sich wieder auf den Boden und legte ihn vor sich ins Gras. „Der Weg zur Magie ist kein leichter“, erklärte er weiter, den trüben Blick auf Roland gerichtet. „Und für einige oft schmerzhaft.“
Der Schüler lauschte weiter aufmerksam seinen Worten. Doch gab es dafür im Moment keine passende Entschuldigung. Widerwillig setzte er sich wieder ihm gegenüber hin, starrte ihn aber weiterhin zornig an. Seine Drachin legte sich dicht an seine Seite, ständig den Körperkontakt haltend. Mit einem warmen Lächeln zu ihr legte er seinen Arm über ihre Schultern, was ihr ein leises Schnurren entlockte.
Conrad konnte es immer noch nicht fassen, was Rolands Wutanfall hervorgebracht hatte. Er wusste bereits, dass es beim Erwecken von Zugängen eine heftige Reaktion geben kann, doch das hier war etwas weitaus grösseres. Fragen überschwemmten seine Gedanken, doch war er im Moment nicht in der Lage, auch nur eine davon zu stellen. Torben klapste ihm leicht auf den Hinterkopf. „Mach den Mund zu“, sprach er leise und stellte sich mit verschränkten Armen wieder an den mittlerweile abgekühlten Stein. Ein verwirrtes Kopfschütteln später gesellte sich Conrad still zu ihm.
Aaros atmete mit geschlossenen Augen einmal tief ein. „Über einen Zugang zur Magie zu verfügen bedeutet noch lange nicht, diesen auch ohne Weiteres nutzen zu können“, begann er ernst. „Besonders bei der elementaren Magie ist der Zugang stark mit den Gefühlen des jeweiligen Anwenders verbunden und jeder Magier hat seinen eigenen Weg, diesen zu wecken. Oder anders ausgedrückt: Jeder hat einen anderen Fokus.“ Gelassen schaute er seinen Schüler an. „Bei mir liegt er zwischen Gelassenheit und Konzentration. In der Meditation halte ich diesen Punkt und sammle die Kraft, um sie nutzbar einsetzten zu können. Bei anderen kann der Fokus Schmerz, Freude, Liebe, oder wie in deinem Fall Wut sein. Oft sind es auch, wie bei meinem Fall Kombinationen.“ Still den Erklärungen lauschend, weitete Roland überrascht seine Augen. „Wut?“, dachte er in sich hinein, während er seine Drachin in den Armen hielt.
„Schmerz, Liebe und Wut gehören zu den mächtigsten Fokussen, aber auch zu den am schwersten zu kontrollierenden“, fuhr Aaros fort und deutete mit einer Hand über die verbrannte Erde. „Mit steigender Intensität fällt auch der schwächende Aspekt stärker aus.“
In Rolands Gedanken formte sich sogleich das Bild aus der Gasse von vor fünf Jahren. Er schleuderte den Angreifer mit einer mächtigen Schockwelle an die Wand und sank anschliessend ohnmächtig zu Boden. „Jede Anwendung, sei es auch nur zum Feuer machen, zehrt an deiner Kraft. Übernimmst du dich, wie gerade eben, erleidest du einen fatalen Schwächeanfall oder sogar Schlimmeres.“ „ Und woran erkenne ich diese Grenze?“, unterbrach Roland die Worte seines Lehrers. „Das ist der heikle Teil des Ganzen. Diese Grenze erkennt man nur selbst und äussert sich oftmals in plötzlicher Erschöpfung. Doch in einem Wutanfall, wie dem Deinem vorhin, verschwinden jegliche Gedanken daran.“ Er warf seinem Schüler einen weiteren ernsten Blick zu. „Du handelst nur noch impulsiv und bist nicht in der Lage dich zu kontrollieren, was dich blind gegenüber den Umständen macht. Denn solltest du dennoch deinen Willen durchsetzen den Zauber zu wirken, kompensiert dein Zugang die fehlende Willenskraft indem es auf deine Lebenskraft zugreift. Es entsteht also ein Wechsel zur Blutmagie. Diese Art der Magie ist in der Lage, seinen Wirker zu töten.“
Roland warf einen erschrockenen Blick zu Kyndle, welche bei diesen Worten das Gesicht senkte und ein ängstliches Wimmern von sich gab. Der Gedanke an Rolands Tod gefiel ihr nicht im Geringsten. Mit dem gekrümmten Finger unter ihrem Kinn hob er ihren Kopf hoch und blickte in ihre feuchten, blauen Augen. Der sonst helle Türkisring um ihre Iris zog sich zurück. Er spürte ihre Gefühle so deutlich, als wären es seine eigenen. Mit tränenden Augen presste er seine Stirn auf ihre. „Ich werde dich nie verlassen“, kam es leise über seine Lippen. „Tut mir leid, dass du mich so erleben musstest.“
Roland wich ein leichtes Stück zurück und legte seine Hand an ihre Wange. Sein Daumen strich über ihre samtenen Schuppen, wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. Kyndle legte ihren Kopf leicht zur Seite und näherte sich ihm langsam. Sanft zog er seine Partnerin zu sich und legte seine Lippen auf ihre. Mit geschlossenen Augen hielten sie ihre Körper zusammen. Aaros liess ihnen diesen Moment und schwieg.
Conrads Augen fielen auf und er blickte fassungslos auf die beiden, bis Torbens Hand erneut auf seinen Hinterkopf traf. „Ich sagte, Mund zu“, grunzte er leise.
Nach dem sinnlichen Kuss strich er Kyndle sanft über die Stirn. In ihrem starken Blick schimmerte kurz ein vertrautes Funkeln auf, gefolgt von dem hellen Türkishauch in ihren blauen Augen. „Ich liebe dich“, flüsterte er ihr zu. Mit einem glücklichen Murren presste sie ihren Kopf an seine Brust und schnurrte leise, horchte dem sanften Rhythmus seines Herzens.
„Es gibt allerdings eine zuverlässige Möglichkeit, diesem schwächenden Effekt entgegenzuwirken“, setzte Aaros erneut an. Mit der Drachin in seinen Armen wandte Roland sich seinem Lehrer zu. „Und welche?“, wollte er neugierig wissen. Aaros Blick fiel deutend auf den Stab vor ihm. „Hast du dich nie gefragt, weshalb Magier mit einem solchen Ding durch die Welt gehen?“ Er antwortete mit einem verneinenden Kopfschütteln. „Dies ist zweifelsohne keine Gehhilfe“, erklärte der Magier.
„Man nennt es ein Medium!“, fiel ihm Conrad überraschend ins Wort. „Dabei muss es sich aber nicht zwingend um einen Stab handeln. Bei der älteren Generation hat sich der Stab aber zweckmässig als Gehhilfe durchgesetzt“, sprach er mit leicht verzogenem Gesicht. Aaros sah ihn verwundert an. Roland war ebenfalls überrascht, dass er dies wusste.
„Und jetzt soll ich mir auch so eine Gehhilfe anschaffen?“, warf Roland skeptisch ein. Conrad schüttelte verneinend den Kopf. „Nein nein. Ein Medium kann alles Mögliche sein. Eine Waffe, ein Schild, ein Ring, eine Halskette, sogar ein Kleidungsstück.“ Die Finger an einer Hand abzählend listete er die Möglichkeiten auf. „Das Heikle daran ist aber, ein solches anzufertigen.“ Einen kontrollierenden Blick zu Torben werfend zog er seinen Kopf zwischen die Schultern. Dieser sah ihn aber nur verwirrt an, die Arme verschränkt zuckte er nur mit den Achseln.
„Und wie soll ich das anstellen?“, hakte Roland auffordernd nach. Aaros begann zu schmunzeln. „Das wird deine nächste Aufgabe sein“, sagte er bestimmt. „Aber dazu später mehr.“ Prüfend blickte er zum Himmel und dem Stand der Sonne. „Wir sollten diesen Ort jetzt verlassen.“
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In Stronos waren zwei kleine Personen auf der Strasse unterwegs. Die beiden Zwerge schritten sich unterhaltend über den Gehsteig und zusammen gingen sie auf den grossen Markplatz zu. Einer trug eine schwere Plattenrüstung mit sich herum. Dazu war ihm ein mächtiger Streithammer auf den Rücken gebunden, zusammen mit einem alten Schwert. Der Griff der Klinge war stark abgenutzt und mit verkrustetem Blut bedeckt. Sein Gesprächspartner spazierte mit hinter den Rücken gehaltenen Händen aufrecht neben ihm her. Eine Brille mit dicken runden Gläsern lag auf seiner Nase.
„Fünf Gefährten? Einen für jeden Wächterdrachen?“, sagte Kumash Gor herablassend vor sich hin. „Hmpf!“ Er grunzte mürrisch und kratzte sich an dem Symbol an seinem Hals. „So ein Blödsinn!“ Barnabas schüttelte entrüstet über das Desinteresse des Gefährten den Kopf. „Dieser Roland gehört also auch zu diesem Club? Und wo wohnt der Typ gleich nochmal?“, fragte er ernst und schaute ihn mit einem gierigen Leuchten in den Augen an. Sein Kollege hob eine offene Hand hoch. „Tarnung. Zu wichtig. Werde nicht preisgeben. Moment falsch. Zu früh“, antwortete er monoton. Verstimmt über die verwehrte Information runzelte er die Stirn. „Für einen solch hoch gelobten Experten hast du ne beschissene Art dich auszudrücken!“, meckerte Kumash weiter. Barnabas Bart hob sich leicht bei seinem Schmunzeln und im Anschluss rückte er noch seine Brille zurecht.
Die beiden Zwerge tauchten in der belebten Menge der Stadt unter, wo sie ihre Unterhaltung weiterführten.
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Zwei Männer standen vor einem grossen Spiegel. In der schwimmenden Fläche war deutlich eine Gruppierung von Gebäuden zu erkennen. Neben dem grössten Haus erstreckte sich ein prachtvoller Garten. Einer der beiden stand gekrümmt vor dem Bild und ein bedrohliches Funkeln stach aus den leeren Augen seiner silbernen Maske.
„Gut gemacht, Larzarus. Scheinbar ist deine Nützlichkeit noch nicht ganz verloren“, keuchte er leise. Verstimmt über den Kommentar warf der grosse Mann seinen Blick verärgert zur Seite. „Mit der, hmm, Unterstützung von diesem Geistertypen gelang es mir. Ich hoffe, ihr seid zufrieden?“, wagte der Diener vorsichtig zu fragen. Darauf drehte sich Kargesh schnell um. „Zufrieden?!“, sprach er mit dem Gesicht zur Seite geneigt. Eine leichte Wut lag in seinen Worten. „Wenn Roland und dessen Drache in Gewahrsam sind, dann werde ich mir überlegen, ob ich zufrieden sein werde!“ Er ballte seine rechte Faust und hob sie in Larzarus Richtung. Der Mann sank verkrampft auf die Knie, als ein violettes Leuchten in seinen Augen hervorstach.
Kargesh bewegte seine Hand zu sich. Um seinen Diener baute sich eine schwarze Wolke auf, welche ihn vor seinen Meister zog. Die Finger leicht gespreizt, wurde Larzarus darauf hochgehoben. Der finstere Lord hob den Untergebenen vor sein Gesicht. Das bedrohliche Leuchten seiner violetten Augenlichter wurde heller. „Es wird Zeit, den nächsten Schritt einzuleiten“, forderte Kargesh. Er senkte seine Hand und liess seinen Diener aus dem finsteren Griff frei.
Hustend fiel er auf die Knie. Verkrampft nach Luft schnappend, richtete er sich auf und sah seinen Herren zornig an. Der violette Schimmer in seinen sonst roten Augen verblasste langsam. Schwer atmend stand er auf und wandte sich seinem Meister zu. „Soll das heissen…?“ „Nein, dieses noch nicht!“, fiel ihm Kargesh laut ins Wort und richtete seine knöcherne Hand auf ihn. „Du wirst ihn weiter beobachten.“
Larzarus atmete einmal stark aus. In seinen Augen blitzte kurz ein violetter Schimmer auf. „Für wie lange?“, fragte er skeptisch nach. Sein Meister blickte ihn mit einem drohenden Leuchten in den Augen an. „Das hängt von seinen Fortschritten ab.“ Er wandte sich gebeugt dem Spiegel zu. „Umso mehr er lernt, umso geeigneter wird er sein“, betonte er laut. „Ausserdem gibt es noch einige unerledigte Dinge, die Vorrang geniessen.“
Den Arm zur Seite ausgestreckt deutete er seinem Diener an sich zu entfernen. „Geh jetzt!“, befahl er keuchend. Larzarus nickte seinem Herren stumm zu und schritt anschliessend aus dem Raum. „Ironwing also? Welch Ironie!“, hallte die finstere Stimme durch den Raum, gefolgt von einem diabolischen Lachen.
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Auf dem Übungsplatz, neben der Kaserne in Ironwing, trafen eine kleine Gruppe und ein orangerotes Drachenweibchen ein. „Und wie komme ich jetzt an ein Medium?“, erkundigte sich Roland neugierig. Aaros blickte ihn gelassen an. „Hier in Parem sind mir nur zwei Personen bekannt, die in der Lage wären, ein solches anzufertigen.“ Er machte eine unverhoffte Pause, als er ein Mädchen erblickte, welches eilig auf die Gruppe zukam. „Rebecca?“, kam es überrascht von Conrad und er lief ihr etwas entgegen.
Rebecca blieb stehen und sah ihn nüchtern an. „Mamma will mit dir reden“, sagte sie auffordernd. Ihr Bruder liess niedergeschlagen seinen Kopf nach vorne sinken. „Wie hat sie denn bloss…?“, dachte er in sich hinein. Mit einem mürrischen Gesichtsausdruck drang ein leises Räuspern aus seinem Hals, bevor er sich auf den Weg zum Hauseingang machte.
Roland sah dem erneut wortkargen Mann hinterher. Sein Blick blieb jedoch bei Rebecca hängen, welche ihn skeptisch mit ihren zweifarbigen Augen ansah. „Noch etwas?“, fragte er misstrauisch. Das Mädchen stemmte die Hände in die Hüften und neigte ihren Kopf leicht zur Seite. „Stimmt das, was Timmy erzählt?“, hakte sie neugierig nach. Roland weitete überrascht seine Augen. „Ich ähm, also…“, stammelte er etwas unbeholfen vor sich hin und blickte hektisch zu Kyndle.
„Bei den Fünf!“, dachte er laut in sich hinein. „Wie soll ich das Rebecca erklären? Ob sie es überhaupt verstehen wird? Sie ist schliesslich noch nicht in dem Alter, um über solche Dinge nachzudenken, geschweige denn darüber zu sprechen!“ Roland kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf und grübelte intensiv über die richtige Wortwahl nach.
„Hast du diese riesige Wolke über dem Wald gemacht?“, warf ihm Rebecca erstaunt vor die Füsse. Er liess für einen kurzen Moment den Mund auffallen. Diese Frage hatte er jetzt nicht erwartet. Völlig sprachlos stotterte er vor sich hin. „Ich dachte, eigentlich, also ich hab, ähm…“ „Ja das war er“, antwortete Aaros ruhig für ihn und unterbrach das peinliche Gestammel. „Es gab eine heftige Reaktion, als wir seinen Magiezugang geweckt hatten.“ „Kannst du mir das mal zeigen?“, bat das Mädchen neugierig nach. „Ich werde es auch nicht Mamma erzählen, ehrlich“, argumentierte sie hoffnungsvoll mit auf den Rücken gehaltenen Händen. Aaros schüttelte langsam den Kopf. „Das wäre keine gute Idee“, erklärte er und schmunzelte dabei Roland an.
Roland beugte sich zu dem enttäuschten Mädchen herunter. „Ich kann dir erst etwas zeigen, wenn ich es besser unter Kontrolle habe.“ Rebecca verzog mürrisch ihr Gesicht und hielt dabei den Kopf zur Seite geneigt. „Versprochen?“, wollte sie wissen und streckte ihm die Hand entgegen. Roland griff danach und lächelte sie dabei an. „Versprochen.“ Aus dem ernsten Gesicht des Mädchens stach plötzlich ein glückliches Lächeln. Sie ging zum Schluss noch zu Kyndle hin, streichelte dem Weibchen über die Flanke und machte sich auf den Weg zurück zum Haus.
Roland blickte dem Mädchen hinterher, bis sie hinter der Hecke verschwand. Kurz darauf atmete er kräftig und erleichtert aus und warf seinen Blick in den Himmel. Hinter sich hörte er das amüsierte Räuspern von Torben.
„Von welchen zwei Männern hast du gesprochen?“, wandte er sich an Aaros. „Darauf komme ich später zurück. Ich muss erst sichergehen, ob sie überhaupt noch leben“, begann dieser. Roland warf ihm zu der Aussage einen überraschten und skeptischen Blick zu. „In der Zwischenzeit besorgst du einige Dinge, welche unentbehrlich für die Herstellung eines Mediums sind.“ Er sah seinen Schüler bestimmt an. „Allem voran einen Edelstein oder Kristall, der als Katalysator dienen wird, und einen Gargoyle. Oder wie ihn manche nennen: Wasserspeier.“ „Wozu denn ein Wasserspeier?“, bohrte er skeptisch nach. Schmunzelnd hob Aaros eine Hand hoch. „Nun du brauchst nicht den Speier direkt, sondern vielmehr einen Teil der Überreste von so einem Kerlchen.“
„Und wie soll ich denn an die Überreste eines Wasserspeiers herankommen? Diese Kreaturen verwandeln sich doch immer in Stein, wenn sie getötet werden.“ Torben hob überrascht seine Augenbrauen. „Da hat einer wohl ein Buch zu diesem Thema gelesen?“, warf er lobend in das Gespräch ein. Roland nickte stumm und lächelte etwas verlegen. „Da hast du recht“, pflichtete ihm Aaros bei. „Aber es reicht, wenn du einen zu Stein gewordenen Gargoyle in die Hände bekommst.“ „Und der Edelstein? Gibt es da Unterschiede, welche Sorte oder Grösse ich wähle?“, hakte Roland nach. „Nicht wirklich“, antwortete Aaros. „Sorte und Grösse dienen allein dem Optischen. Das Medium eines Wirkers soll diesem schliesslich auch gefallen, oder? Entscheidend beim Katalysator ist die Reinheit des Steines.“
„Und wo finde ich jetzt einen Wasserspeier?“, fragte der Schüler. Torben stellte sich neben Aaros auf und verschränkte seine Arme, während er Roland fordernd ansah. „Stand darüber nichts in deinem Buch?“ Roland warf einen kurzen, beschämten Blick zur Seite und kratzte sich am Hinterkopf. „Ich hab da jetzt mehr nur die Bilder angesehen, als es gelesen“, beichtete er.
„Gut“, räusperte sich Torben. „Diese Biester lauern oft in der Nähe von Waldwegen oder Gebirgsstrassen und werden auch Peiniger der Reisenden genannt“, begann er zu erklären. „Vorwiegend wegen ihrer Vorliebe zu lästigen Streichen und dummen Sprüchen, um über die Leute herzuziehen. Diese sind aber meistens eher nervtötend als amüsant, was für diese gescheiterten Komiker aber nicht tragend ist. Den Namen Wasserspeier verdanken sie ihrer Neigung, sehr gerne besagte Opfer mit grosszügigen Mengen anzuspucken. Meistens wenn man sie entdeckt hat, oder auf ihre dämlichen Kommentare nicht eingeht.“ „Das sagt mir aber nicht, wo ich einen finden kann“, warf Roland in die Erzählung ein. Torben atmete etwas mürrisch aus und hob ihm einen ausgestreckten Finger entgegen. „Dazu wollte ich gleich kommen“, argumentierte er bestimmt. „Also, diese Viecher halten sich für gewöhnlich in felsigen Umgebungen auf. In Ordenary findet man sie gelegentlich auch in grösseren Wäldern. Aber hier in Parem würde ich mein Glück in der Nähe des Grauen Passes versuchen, an der Grenze zum Darkwinter.“
Aaros blickte zur Sonne. „Noch ist Zeit. Wenn du Glück hast, findest du noch einen vor Einbruch der Nacht.“ Roland deutete mit einem Daumen über die Schulter. „Sollte ich Catherine nicht….?“ „Ich werde ihr alles erklären, was sie drüber wissen muss“, unterbrach ihn sein Lehrer. „Na los, schnapp dir deinen Bogen und jage dir einen Gargoyle“, forderte er ihn mit einem zuversichtlichen Nicken auf. Roland sah schmunzelnd zu seiner Drachin. „Na, kleiner Jagdausflug gefällig?“, wandte er sich mit einem warmen Blick an sie. Das Weibchen gab ein bejahendes „Churr“ von sich, während sie ihren Partner mit grossen Augen ansah. Ihre Ohren zuckten freudig hoch, während sie ihre Flügel leicht spreizte. Ein helles Funkeln trat aus dem Türkishauch ihrer Pupillen hervor und reflektierte sich in Rolands.
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Koris und Catherine hielten sich im Arbeitszimmer auf. Die Frau stand vor dem geschlossenen Fenster und warf einen angespannten Blick nach draussen. „Wie lange geht das schon so?“, verlangte sie zu wissen. Der Hauptmann sah sie mit einem nachdenklichen Blick an. „Den Meldungen der Wache zufolge schon seit einigen Tagen.“ „Und wissen wir, wer diese Leute sind?“, hakte sie besorgt nach. Koris liess kurz seinen Blick zur Seite weichen. „Nein“, antwortete er. „Es machte jedes Mal den Anschein, als würden sie das Gebiet auskundschaften. Und immer wenn sie entdeckt wurden, verschwanden sie so plötzlich, wie sie aufgetaucht waren.“ Catherine hielt sich nachdenklich die Hand unter ihr Kinn und drehte sich zu dem uniformierten Mann um. „Die Wache am Tor soll verdoppelt werden und veranlasse Patrouillen um das Anwesen.“ Koris sah angespannt ihren ernsten und besorgten Gesichtsausdruck. Er sagte aber kein Wort. Die Hand gehoben salutierte er vor seiner Herrin und schritt aus dem Raum.
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Nach wenigen Stunden erreichte Roland die Grenze zum Darkwinter-Wald. Er stand mit seinem Pferd an der Kreuzung zur Strasse, die über den Grauen Pass führte. Kyndle landete elegant neben ihm und gab ein begrüssendes „Chirp“ von sich. Eine seltsame Aura schien über dem Blätterdach zu liegen, als würde der ganze Wald tief einatmen. Er hatte schon einige Geschichten über den Darkwinter gehört. Und jetzt, so alleine in diesem verwunschenen Gehölz zu sein, rief eben diese wieder wach. Er schüttelte den Kopf. „Wer könnte ihm, einem Gefährten und dessen Drache, denn schon gefährlich werden?“, dachte er spöttisch in sich hinein. Doch seine schwache Zuversicht konnte ihn nicht über dieses erdrückende Gefühl, beobachtet zu werden, hinwegtäuschen.
Roland stieg von seinem Pferd ab und band es an dem Wegweiser am Strassenrand fest. Er packte sich seinen Bogen und warf sich den Pfeilköcher über die Schulter. Sich dem Dickicht zugewandt, legte er seiner Drachin die Hand auf die Schulter. Gurrend blickte ihn Kyndle mit ihren blauen Drachenaugen an. Der helle Türkisfunke darin nahm ihm das unbehagliche Gefühl aus der Magengegend. Er griff mit der Hand unter ihren Kiefer und zog ihren Kopf sanft zu sich. Mit geschlossenen Augen gab er ihr einen langen Kuss. Kyndle schnurrte leise bei der liebevollen Lippenberührung.
„Danke“, flüsterte Roland ihr zu. Er blickte seine Partnerin mit einem Zwinkern an. „Holen wir uns einen Gargoyle.“ Die Drachin gab ein aufgewecktes „Meep“ von sich und ging einige Schritte voraus. Vor den Baumstämmen blieb sie stehen und warf ihrem Partner einen fordernden Blick zu. Roland schloss die Augen und atmete tief ein. Er konzentrierte sich auf Kyndle, ihren Körper, ihre Wahrnehmung, ihre Seele. Die leisen Geräusche aus dem Wald nahmen an Lautstärke zu. Auch die Schattenspiele im Dickicht der Bäume konnte er einfacher durchdringen. Mit der Hilfe ihrer geschärften Sinne bewegten sie sich zusammen durch das Unterholz.
Und so vergingen die Stunden. Bei jeder Bewegung im Wald war die Quelle leider nie ein erhoffter Wasserspeier. Ein Hirsch floh erschrocken in die Büsche, als Roland hinter dem Baum hervorkam. „Oh Mann!“, dachte er müde in sich hinein. Er setzte sich erschöpft auf einen Stumpf und löste sich von der Sinnesbindung zu Kyndle. Das Weibchen stupste ihn mit der Nase in die Brust und gurrte ihn leise an. Mit einem fragenden Blick hockte sie sich vor ihn hin. „Keine Sorge“, beruhigte Roland sie und lächelte die Drachin warm an. „Ist nur ein wenig anstrengend, es über so lange Zeit aufrecht zu erhalten.“ Das Weibchen nickte einmal gurrend und fügte dem ein leises „Chirp“ hinzu.
Nach einer kurzen Verschnaufpause stand Roland wieder auf. Er wollte seinen Fuss nach vorne ziehen, blieb aber an einer hochstehenden Wurzel des Stumpfes hängen. Da sich nichts, um sich festzuhalten, in seiner Nähe befand, fiel er tollpatschig in eine feuchte Matschpfütze. Seine Drachin drehte sich überrascht zu ihm um. Die Augen zur Hälfte geschlossen, gurrte sie bei dem Anblick amüsiert vor sich hin und schnaubte kräftig aus. Roland richtete sich auf und wischte sich den Grossteil des Drecks aus dem Gesicht. „Das findest du wohl witzig, was?“, warf er dem Weibchen klagend entgegen. Kyndle nickte ihm mit einem verspielten „Churr“ zu. Roland trat einmal mit voller Wucht in die Pfütze und erzielte damit einige grosse, braune Spritzer auf Kyndle, welche ihn nun nüchtern ansah. Er hielt seinen Kopf leicht schräg, während er die Flecken in ihrem Gesicht begutachtete. „Du hast Recht, das ist lustig“, bemerkte er amüsiert.
Das Weibchen näherte sich ihm mit langsamen Schritten und warf ihm einen verspielten Blick zu. Roland hob schnell eine Hand hoch. „Schscht!“, zischte er. „Hörst du das?“ Er schloss seine Augen, den Kopf leicht zur Seite gedreht. Kyndle sah ihn kurz verwundert an, tat es aber ihm gleich und horchte mit hochgestellten Ohren in den Wald hinein.
Tatsächlich. Ein leises Kichern war nicht weit entfernt zu hören. Roland zog einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an der Bogensehne an. Mit vorsichtigen Schritten näherte er sich gebeugt dem leisen Echo. Vor einem hohen Baum in der Nähe blieb er stehen und warf einen prüfenden Blick zwischen die Äste. Ein kleiner Schatten bewegte sich mit erstaunlicher Schnelligkeit unter den Blättern. „Matsch im Gesicht und Matsch im Gehirn, hihihi!“ Mit einem kindlichen Lachen drang die Fistelstimme von oben herab. Das Wesen liess sich kopfüber von einem niederen Ast herabhängen und zeigte sich kurz im Licht der untergehenden Sonne. Es war ohne Zweifel ein Gargoyle.
„Was hat sechs Beine und schaut richtig blöde aus der Wäsche?“, fragte das Wesen und zog sich anschliessend an seinem Schwanz zum Ast hoch. Es setzte sich hin und deutete mit seinen kleinen Krallen auf Roland und Kyndle. „Das seid ihr zwei! Hahahaha!“ Roland warf einen nüchternen Blick zu Kyndle. „Torben hatte Recht, was deren Humor betrifft“, dachte er sich. Den Bogen angespannt visierte er den Speier an. Das Geschoss verliess die Sehne und stoppte im Holz des grossen Stammes. Sein Ziel hat er nicht getroffen.
Das Wesen war schneller als gedacht und tänzelte spöttisch über die Äste und hielt sich winkend die Hände an die Ohren, während es die gespaltene Zunge aus dem Maul streckte. „Daneben! Daneben! Nana nana nahnah!“, witzelte es amüsiert von oben herab. Der Speier liess sich wieder an seinem Schwanz von einem Ast herab und spuckte Roland einen gezielten Wasserstrahl ins Gesicht. „So geht das, du Wichser! Hihi!“ Das Wesen zog sich so schnell, wie es herunter kam, wieder nach oben. Roland wischte sich wütend das Gesicht trocken. „Dieses kleine Arschloch geht mir langsam tierisch auf die Nerven!“, murmelte er zornig vor sich hin. Einen weiteren Pfeil gespannt zielte er erneut auf den springenden Schatten. Das Geschoss schnellte durch die Baumkrone, ohne sein Ziel zu treffen. „Wenn du zu viele Luftlöcher schiesst, bleibt dir keine mehr zum Atmen. Hahaha!“
Kyndle gab ein leises Knurren von sich und atmete einmal tief ein. Die geschlitzten Augen auf den Speier gerichtet entfesselte sie einen gezielten Flammenstoss aus ihrem Rachen. Die Hitze brannte hell ein Loch durch die Blätterwand und entblösste den kleinen Störenfried. „Oh ihr seid wohl ganz heiss darauf, was?“, sprach er amüsiert und ergriff die Flucht aus dem verbrannten Versteck.
Roland und seine Drachin nahmen unverzüglich die Verfolgung auf. Kyndle wuchtete sich mit einem kräftigen Abstoss in die Luft und beförderte sich mit wenigen Flügelschlägen über die Baumkronen. Roland folgte dem schnellen Schatten zu Fuss, welcher sich eilig von Baum zu Baum bewegte. Die zahlreichen Äste gaben ihm kein freies Schussfeld und auch Kyndle hatte aus der Luft so einige Schwierigkeiten, den kleinen Flüchtling im Auge zu behalten.
Das Weibchen gab einen Feuerstoss in das Blätterdach voraus, was den Flüchtling dazu zwang, zur Seite auszuweichen. Roland beobachtete das Wesen, wie es für einen kurzen Moment still stand und panisch in die Flammen starrte, bevor es weitersprang. „Das ist es!“, hallte es durch seinen Kopf. „Mit dem richtigen Winkel und Zeitpunkt sollte es klappen.“ Dem Speier nacheilend konzentrierte er sich auf seine Partnerin in der Luft. Kyndle spürte die Gegenwart von Roland, als würde er direkt zu ihr sprechen. Sie erkannte seine Absicht in seinen Gedanken und wusste unverzüglich, was sie zu tun hatte.
Kyndle näherte sich dem Blätterdach und legte mit ihren Flügeln etwas an Geschwindigkeit zu. Sie überholte den Flüchtling und zog ihre Fluglinie kreisförmig nach aussen. Das Weibchen erblickte Roland zwischen den Bäumen. Dieser hob seinen Bogen hoch und sie konnte seine Stimme deutlich in ihrem Kopf hören. „Jetzt!“
Tief eingeatmet drang ein bedrohliches Leuten aus ihrem geöffneten Maul. Kurz darauf entfachte sie einen sengenden Feuerstrahl, welchen sie in ihrem Flug fächerförmig vor dem Versteck des flüchtenden Wasserspeiers ausbreitete. Von den lodernden Flammen eingeschüchtert blieb das Wesen wie erstarrt stehen und blickte panisch umher.
Das gab Roland genug Zeit sein Ziel anzuvisieren. Zischend verliess das Geschoss die Bogensehne. Der Speier wich mit seinem Blick hektisch in den Flammen hin und her und bemerkte den heranschnellenden Pfeil zu spät. Die metallene Spitze drang in die Brust des Wesens, welche sich sogleich verhärtete. Das Gesicht schmerzend verzogen verwandelte es sich in Stein und blieb mit dem Geschoss in der Brust auf dem Ast stehen.
„Genau so!“, rief Roland erleichtert in die Luft. Kyndle fegte mit kräftigen Flügelschlägen durch die Flammen und brachte diese zum Schweigen, bevor diese die Baumwipfel erreichten. Im Anschluss landete sie elegant neben ihrem Partner. Mit einem fröhlichen „Chirp“ fiel sie Roland um den Hals, was ihn schwungvoll auf den Rücken warf. Im weichen Matsch gelandet hielt er seine Drachin fest, die ihn mit ihren wunderschönen blauen Augen ansah. Der Türkisschimmer darin leuchtete ihm hell entgegen. Ein kurzer Funke wanderte zwischen ihren verliebten Blicken hin und her, bevor sie die Augen schlossen und sich ihre Lippen in einem liebevollen Kuss trafen.
Er hielt ihren Kopf mit beiden Händen fest und lächelte sie nach der schönen Berührung warm an. „Du hast alles verstanden?“, fragte er sie leise. Kyndle gab ein sanftes „Churr“ von sich, während sie sich schnurrend auf ihn legte. Einen kurzen Moment blieben sie eng aneinander gekuschelt im feuchten Matsch liegen. Ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit machte sich in ihm breit. Es schien ihm mit jedem weiteren Mal einfacher zu sein, den Kontakt zu ihr herzustellen. Obschon er wusste, dass sie auf einer gewissen Ebene immer verbunden waren, war es für ihn eine schöne Erfahrung, diese nun auch gezielt nutzen zu können.
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In Ironwing war unterdessen eine heftige Diskussion zwischen Catherine und ihrem Sohn Conrad entbrannt, da er sich ihrer direkten Anordnung widersetzt hatte und ohne ihr Einverständnis bei Rolands Magieeinführung zugegen war. Ihre Wut darüber verstärkte sich noch zusätzlich, als sie von dem Zwischenfall auf der Lichtung erfahren hatte.
„Was bei Wyverex‘ Schatten hast du dir dabei gedacht?!“, warf sie ihm klagend vor die Füsse. Conrad stand ohne ein Wort zu sagen da, den Blick mürrisch zur Seite gewandt. „Ich hatte dir doch ausdrücklich verboten, an dieser Aktion teilzunehmen.“ Sie sah ihn mit einem besorgten Blick an. „Du hättest dabei verletzt werden können.“ Als er in diesem Moment in das Gesicht seiner Mutter blickte, lichtete sich seine Miene.
Er sah es in ihren Augen. Sie sorgte sich zu Recht um ihn, da er blind vor Begeisterung sich völlig unbewusst in Gefahr begeben hatte. Was wäre geschehen, wenn ihn Torben nicht in Deckung gebracht hätte oder wenn er etwas früher hinter dem Felsen hervorgekommen wäre?
Niedergeschlagen liess er seine Stirn nach vorne sinken. „Es tut mir leid, Mutter.“ Mit feuchten Augen sah er sie an. Catherine ging auf ihn zu und schloss ihn liebevoll in die Arme. „Ich verstehe dein Interesse, aber ich will doch einfach nur, dass dir nichts Schlimmes wiederfährt.“ Mit geschlossenen Augen hielt sie ihren Sohn fest. Etwas zögernd erwiderte er ihre Geste.
Sie blickte ihn anschliessend aufmunternd an. „Du darfst ja dabei sein. Versprich mir wenigstens, dass du dich heraushalten wirst, wenn erneut solche Experimente anstehen sollten.“ Mit tränenden Augen sah er sie lächelnd an und nickte ihr einmal still zu.
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Zurück im Darkwinter….
Roland war inzwischen aufgestanden und starrte von unten den Ast an, auf dem der versteinerte Wasserspeier lag. Seine Stiefel versanken bis zum Schienbein in der mehr sumpfigen Erde. „Gut, wie kriegen wir den von da oben runter?“, fragte er Kyndle. In seinem Wortklang hörte sie deutlich heraus, dass er gerade keine Lust hatte, auf den Baum zu klettern. Das Weibchen schnaubte einmal stark in seine Richtung und sprang mit einem kräftigen Abstoss über den Schlammteppich an den Stamm. Die schwarzen Krallen in das Holz geschlagen, kletterte sie geschmeidig nach oben zu dem Speier. Sie stieg auf den Ast, welcher sich schon stark unter dem zusätzlichen Gewicht neigte, um der kleinen Statue einen Schubs zu geben.
Mit der Nase stupste sie etwas unbeholfen den Speier herunter. Roland stand mit hochgehobenen Armen bereit und fing die Jagdtrophäe auf. Er drehte dem Baum den Rücken zu, sah in das steinerne Gesicht des Wesens und schmunzelte es an. „So geht das, du Wichser“, sagte er amüsiert zu der kleinen Statue.
Er vernahm ein lautes Knacken, gefolgt von einem überraschten „Meep“ über sich. Er schaute aber nicht nach oben, sondern richtete seinen Blick stur geradeaus, in der Erwartung einer fallenden Drachin. Verwundert drehte er sich um, als nichts darauf folgte. Doch genau in diesem Moment landete ein breiter Ast mit einem orangeroten Drachenweibchen darauf im tiefen Schlamm. Eine braune Welle erfasste ihn und die Drachin. In einer stillen Pause sahen sich beide stumm an.
Kyndle schüttete den Kopf und Roland wischte sich den Dreck aus dem Gesicht. Beide starrten sich für einen weiteren Moment still an. In Rolands Gesicht wuchs ein breites Grinsen, während Kyndle ihren verspielten Blick nicht weiter unterdrücken konnte. Er schritt auf sie zu und strich ihr sanft über den Kopf. „Komm. Zeit nach Hause zu gehen“, sagte er amüsiert und schaute danach den Wasserspeier nochmals an. Im Anschluss stapfte er schwerfällig aus dem Schlamm. Das Weibchen stellte sich wieder auf alle Viere und folgte ihrem Partner zufrieden gurrend.
Der Mond brachte bereits seine weissen Strahlen über den Nachthimmel, als Roland mit Kyndle bei den Toren von Ironwing ankam. Er blickte die Wachen etwas verwundert an, da sich nicht wie gewohnt zwei vor dem Tor aufhielten. Dieses Mal waren sie zu viert. Diese wiederum sahen ihn verwirrt an, da er und Kyndle eine ordentliche Menge Dreck mit sich herumtrugen. Er dachte aber nicht weiter darüber nach, denn er wollte schleunigst aus den dreckigen Sachen heraus und ins Bett.
Das Pferd in die Ställe zurückgebracht, ging er mit eiligen Schritten auf den Eingang des Haupthauses zu. Die niederen Stufen überwunden griff er nach der Tür und wie von alleine öffnete sich der Eingang. Dahinter kam ein aufrecht stehender Mann mit einem müden Blick im Gesicht zum Vorschein. Sasha musterte Rolands Erscheinung, sowie auch die von Kyndle genau. Der dreckige, junge Mann grinste ihn etwas verlegen an. Sasha machte eine begrüssende vorgebeugte Geste und lud sie mit ausgestrecktem Arm zum Eintreten ein.
„Das Wasser läuft bereits“, sprach er gelassen, während Roland und seine Drachin an ihm vorbeigingen. Roland hielt dem Butler den versteinerten Wasserspeier entgegen. „Kannst du den bitte auf mein Zimmer bringen?“, bat er ihn mit einem verdreckten Schmunzeln im Gesicht. Der Butler hielt die Statue wie einen schmutzigen Lappen von sich weg. „Sehr wohl“, antwortete er. „Danke Sasha“, sagte Roland und machte sich auf den Weg zum Badezimmer, dicht gefolgt von einem braunorangeroten Drachenweibchen. Der Butler nickte ihm still zu, bevor er mit dem Speier weiterging.
Category Story / All
Species Unspecified / Any
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